lebenslänglich

Seitensprung

Ich gestehe.

Neben meinen häufig wechselnden Rennrädern hat es immer wieder andere Fahrräder gegeben. Lange Zeit liebäugelte ich mit einem Quax Gentlemen, wenn auch nur um meine Neffen und Nichten zu beeindrucken. Mit dem Umzug nach München im Jahr 2000 wurde ich endgültig schwach und investierte schon im ersten Jahr trotz leerer Kasse sämtliche Barschaft in ein Specialized Stumpjumper. Eines des ersten vollgefederten Marathon MTBs mit läppischen 80 mm Federweg vorn und 50 mm hinten. Heute gehört meine Sympathie wieder voll und ganz den weniger verspielten Rennrädern, aber der lange Ausflug in die schmutzige Welt der Stollenreifen hat mich technisch versierter gemacht. Denn da gab es andauernd etwas zu reparieren.

Specialized Stumpjumper Modelljahr 2001 in 2002 am Lamsenjoch

In den Jahren 2000 bis 2004 war ich nach der Schneeschmelze fast jedes Wochenende unterwegs. Erst in den bayerischen Alpen, später immer weiter Richtung Hauptkamm. Und auch wenn in den Folgejahren durch Job und Familie die Touren seltener wurden, nahmen sie an Abwechslung zu. Zu den Höhepunkten gehörte die Tour zum Rifugio Schiazzera im Piemont, die ich mit ein paar Kumpels aus München gemacht habe.

Gar nicht so spektakulär war die Zeit als Guide im Deutschen Alpenverein in der Sektion München. Nach einigen mehrtägigen Kursen und bestandener Prüfung habe ich mit Conrad einige größere Touren als geprüfter DAV Bike-Guide angeboten. Ich bin zwar heute noch Mitglied im Alpenverein, die letzte Tour habe ich aber 2003 durchgeführt. Nicht nur, weil ich quasi komplett auf Lycra umgestiegen bin.

Der Tourbericht von Oberstdorf zum Gardasee aus 2002 liest sich heute – gut 15 Jahre später – ein wenig altmodisch. Scheibenbremsen hatte noch niemand, und tatsächlich war das Material damals noch einigermaßen unberechenbar. Genau so wie die Gruppendynamik.

Stau am Schrofenpaß

verfasst im Jahr 2002, hier unverändert wiedergegeben

Noch vor wenigen Jahren galt eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike als das letzte große Abenteuer Europas. Das hat sich grundlegend geändert: Für die Hüttenwirte und Gasthöfe auf den klassischen Routen gehören die Bergwanderer mit Fahrrad mittlerweile zu einer fest kalkulierten Größe. Je nach Schneelage und Streckenführung quälen sich zwischen Ende Juni und Mitte September Hunderte Mountainbiker über mehr oder weniger fahrbare Pässe Richtung Süden. Egal welche Route sie wählen, ohne Willenskraft, Ausdauer und eine gehörige Portion Gelassenheit kann so eine Transalp zum Horrortrip werden: Überfüllte Lager, unerwarteter Materialverschleiß und eine häufig unterschätzte Gruppendynamik erfordern eine sorgfältige Planung und viel Erfahrung. Warum eine Transalp dennoch das ultimative Bike-Erlebnis ist, schildert Autor Niklas Spitczok von Brisinski vom Alpenverein München. Gemeinsam mit Conrad, ebenfalls Guide beim DAV, hat er Anfang September 2002 eine 13köpfige Gruppe in acht Tagen auf einer abgewandelten „Heckmair-Route“ von Oberstdorf zum Gardasee geführt.

Im Rappental südlich von Oberstdorf

Noch surren unsere dicken Stollenreifen mit einem satten Brummen die Teerstraße von Oberstdorf das Rappental hinauf. Spannung, Vorfreude und ein wenig Ungewissheit liegen in der Luft: In den nächsten acht Tagen werden wir auf etwa 420 Kilometern gut 14.400 Höhenmeter zurücklegen. Niemand kann ahnen, ob das Wetter mitspielt, alle Teilnehmer gut miteinander auskommen und ob die Gruppe wirklich einen einigermaßen homogenen Leistungsstand hat. Obwohl jeder Mitfahrer bereits bei einer Testtour im Karwendel technisches und konditionelles Können unter Beweis gestellt hat, sind Conrad und ich doch ein wenig unruhig. Hat auch niemand zuviel Gepäck mit? Konnten alle ihr Leistungsniveau halten? Der erste Anstieg unserer Tour zum Schrofenpaß wird’s zeigen.

Im Talschluss des Rappentals

Erst einmal zeigt uns der Paß etwas ganz anderes: Dass eine Transalp längst keine Pionierfahrt mehr ist. Wie die Lemminge kämpfen sich gut vierzig Mountainbiker von mehreren kommerziell geführten Truppen den Steig zum Paß hinauf. An Brücke und Seil gefährden Unerfahrene sich selbst und andere, denn wer hier daneben tritt, kann froh sein, wenn nur das Bike den direkten Rückweg ins Rappental nimmt. Entsprechend turbulent geht es zu: Die vermeintlichen Profis schultern in den engsten Passagen ihr Rad, überholen im Laufschritt – und rammen den Überholten dabei versehentlich ihre Laufräder ins Gesicht. Von oben kommende Wanderer wähnen sich als Opfer der „versteckten Kamera“, denn der Strom der fahrradtragenden Radfahrer will nicht enden. Mittendrin wieder Geschrei eines Guides einer Gruppe aus dem Rheinland, dass seine Leute doch gefälligst oben zu warten hätten. Der Schrofenpaß ist kein Ort für Zartbesaitete.

Aufstieg zum Ofenpaß

Ich bin froh, dass wir beim Durchzählen am Joch auf die gleiche Zahl Teilnehmer kommen wie beim Einstieg in den Schrofenpaß. Doch anschließend kehrt Ruhe ein: Da wir die ersten zwei Tage der klassischen Heckmair-Route auf drei verteilen, fahren wir ab dem Schrofenpaß nicht mehr synchron mit den meisten Gruppen. Später sind wir, von einigen Wanderern abgesehen, auf den Hütten sogar gelegentlich die einzigen Gäste.

Auf der Freiburger Hütte fühlen wir uns aber erst einmal wie auf der Südtribüne im Dortmunder Borussen-Stadion: Die einzelnen Tische versuchen sich gegenseitig zu übertönen, und als die Stimmen nicht mehr reichen, helfen Hände und Füße kräftig nach. Dass die Hütte mit dem Bus zu erreichen ist, hätte uns eine Mahnung sein sollen. Letztlich aber doch alles eine Frage des Geschmacks – die Berge gehören schließlich nicht den Mountainbikern.

Blick auf den Formarinsee von der Freiburger Hütte

Der zweite Tag stellt uns sogleich auf eine echte Gemütsprobe: Morgens regnet es kräftig, was den schweren Downhill von der Freiburger Hütte nach Dalaas nicht einfacher macht. Da wir aber aufgrund der großen Teilnehmerzahl die Hütten im Voraus buchen mussten, können wir keinen Pausentag einlegen. Wer hat, streift sich seine atmungsaktive Regenjacke und ‑hose über. Und wer ohne kommt, holt sich zwar einen nassen Hintern, hat aber trotzdem seinen Spaß, auch wenn nicht alle die Abfahrt sturzfrei bewältigen.

Die Auffahrt durch das Silbertal über die Freschalpe zum Silbertaler Winterjöchle gehört zu den mystischsten Erlebnissen der Tour. Im dichten Nebel stapfen wir durch das Hochmoor, das Bike teils tragend, teils schiebend, immer bemüht, nicht auf den glatten Steinen auszurutschen oder knietief im Moor zu versinken. Der Blick ist stur auf den Boden gerichtet, da können wir verkraften, dass sich die Berge um uns herum im tiefen Nebel nicht einmal erahnen lassen. Triefend kommen wir an der Heilbronner Hütte an. Hier stimmt alles: Der große Trockenraum mit Schuhheizung, die gemütlichen Schlafsäle und ein gutes Abendessen.

An den Scheidseen kurz vor der Heilbronner Hütte
An den Scheidseen kurz vor der Heilbronner Hütte
Auffahrt zur Heidelberger Hütte südlich von Ischgl

Die dritte Etappe ist freundlicher: Ab der Heilbronner Hütte löst sich der Hochnebel langsam auf. Zuvor haben wir unser Bike ab dem Winterjöchle noch gut zwei Stunden durch eine dichte weiße Suppe getragen. Wir steuern Ischgl an, einen Ort, der im Sommer jeglicher Daseinsberechtigung zu entbehren scheint. Die protzigen Neubauten und Apartmenthäuser scheinen nach den vergangenen Tagen auf Hütten und Pässen völlig deplaziert. Die Heidelberger Hütte am Ende des Fimbertals, in der wir die Nacht verbringen, fügt sich da etwas besser in das Landschaftsbild.

Unsere Teilnehmer finden allmählich ihren Tritt. Die Fronten sind geklärt, jeder kann in etwa abschätzen, in welchem Leistungsdrittel er oder sie sich am wohlsten fühlt. Als Guides bemühen wir uns, möglichst kontinuierlich zugleich „Speerspitze“ und „Besenwagen“ zu bilden. Das gelingt nicht immer, da der letzte Guide nicht bei jedem Fotostop anhalten kann und bei jedem Hüsteln sofort zur Stelle ist. Doch bei Stürzen oder auch nur Pannen ist schnell jemand da, der Hilfe leisten kann. Von schweren Unfällen bleiben wir glücklicherweise verschont. Reifenpannen hatten wir aber schon am nächsten Tag mehr als genug.

Die vierte Etappe führt uns nach 400 Höhenmetern Tragepassage über den Fimberpaß auf einen der besten Singletrails dieser Transalp. Auf kurzen Steilpassagen und teilweise schwer verblockten Pfaden haben vor allem die Könner Spaß, für sie ist der Trail bis nach Vna komplett fahrbar. Zwar muss ein Teil unserer Gruppe gelegentlich ein Steilstück tragend oder schiebend überwinden, aber in Vna angekommen sind sich alle einig: 1.000 Höhenmeter pures Adrenalin! Der Regen hat den Trail ein wenig aufgeweicht und noch besser fahrbar gemacht; die Reifen kleben förmlich am matschigen Boden. So fantastisch so eine Abfahrt auch ist – sie kostet Material. Der Verschleiß auf solch einem Stück ist enorm: Bremsgummis materialisieren sich in wenigen Augenblicken, bei Felgenbremsen nimmt die Flankenabnutzung gefährliche Ausmaße an, bei ungünstigen Rahmengeometrien bricht auch schon mal ein Dämpfer. Wir sind froh, dass es bei Dieters gerissenem Brems-Bowdenzug bleibt. Weil Dieter noch zwei Tage mit der Bremse fahren muss -solange dauert es bis zum nächsten Bike-Laden- holt er sich eine blutige Hand.

Auf jeden Downhill folgt ein Uphill – und der ist auf dem Weg zur Uina-Schlucht etwa so aufregend wie die Fahrt auf der A2 von Kamen bis Hamm-Uentrop. Langweilig, breit und ohne jede Aussicht. Wer aber bis zur bewirtschafteten Enklave Uina Dadaint durchhält, der wird mit einem der ungewöhnlichsten Schluchtdurchstiege Europas belohnt. Auf gut 800 Metern verläuft der Weg hoch über dem reißenden Bach in den Fels geschlagen und gelangt schließlich über eine Hochebene zur Schlinigpaßhöhe. Im dichten Nebel finden wir noch soeben zur Sesvenna-Hütte.

Am fünften Tag kehrt ein wenig Ruhe ein. Über Schlinig geht es stets abwärts und dem blauen Himmel entgegen nach Glurns. Wir genießen die Zivilisation auf Glurns Marktplatz ein wenig. Sind dann aber doch erschrocken, als ein Reisebus gut 50 Holländer im besten Alter ausspuckt, die in stoischer Selbstverständlichkeit das gesamte Cafe besetzen. In mentaler Vorbereitung auf das Stilfser Joch am nächsten Tag verkneifen sich anschließend einige die steile, aber landschaftlich nicht sonderlich reizvolle Auffahrt über Platzhof und Schartalpe.

Der sechste Tag ist das Highlight – in jeder Beziehung. Bestes Wetter, unglaublich gute Trails und eine entsprechende Stimmung. Wir teilen die Gruppe: Die Landschaftsliebhaber starten mit mir um acht, die Pulsschlagmaximierer eine halbe Stunde später. Die Auffahrt ist grandios, wenn ich jetzt auch gerne mein Mountainbike gegen ein Straßenrad tauschen würde. Die 46 Kehren hinauf zum Joch sind ein reiner Genuss. Um diese Uhrzeit noch frei von Motorradfahrern, nur gelegentlich gestört von Audi-Testfahrern, die mit kreischenden Reifen die Serpentinen schneiden. Und hin und wieder von jaulenden Wohnmobilen – hier ist es allerdings das Getriebe, das sich beim Verschalten in der Serpentine meldet.

Blick zum Ortler im Morgennebel
Blick vom Stilfser Joch zurück Richtung Trafoi
Dreisprachenspitze
Abfahrt von der Dreisprachenspitze Richtung Umbrail-Paß
Auf dem Weg zum zum Valle die Forcola

Vom Stilfser Joch geht es rauf zur Dreisprachenspitze, mit 2843 Metern der höchste Punkt der Transalp. Obwohl die Sonne scheint, lädt nicht viel zum Verweilen ein, denn es ist mit nur knapp 4 Grad über Null doch eher frisch. Über die Bocchetta di Forcola führt dann einer der schönsten Uphill-Singletrails im Alpenraum. Auf gut vier Kilometern führt der Pfad kontinuierlich den Talkessel hinauf, während aus dem linken Augenwinkel langsam die Stilfser Joch-Straße hinunter nach Bormio verschwindet. Noch hier oben hören wir die Motorräder knattern. So nah sind wir an der Zivilisation, und doch scheint diese Welt, in die wir am Stilfser Joch kurz eingetaucht sind, wieder weit weg zu sein.

Weiter geht es über weit geschwungene Militärwege zum Valle die Forcola. Plötzlich scheint direkt vor uns der Weg ins Nichts abzufallen. In endlosen Serpentinen und auf gröbstem Schotter zieht sich der Weg, immer hart am Abgrund, gefährlich steil ins Tal. Wieder so eine Stelle, an der man sich als Guide gar nicht vorstellen mag, was beim Mountainbiken alles so passieren kann. Ich tröste mich damit, dass die schwersten Unfälle für gewöhnlich an Stellen passieren, an denen die Fahrer das selbst für unmöglich halten. Bei der Abfahrt holt sich niemand einen Kratzer.

Abfahrt zum Valle di Forcola

Da gehört die viel befahrene Straße von Bormio nach Santa Caterina Valfurva schon zu den potenziell gefährlicheren Teilstücken. Wir nehmen das Teilstück in zwei Gruppen und fahren Windschatten. Life can’t always be a Singletrail.

Auffahrt zum Gavia Pass mit Nathan

Der Gavia-Pass ist der Auftakt zur siebten Etappe. Nicht annähernd so spektakulär wie das Stilfser Joch, nicht halb so eindrucksvoll wie die Uina-Schlucht – und doch ist wieder jeder Meter ein Erlebnis. Erst seit wenigen Jahren ist die Südauffahrt -unsere Abfahrt- geteert. Der Giro’d’Italia führte aber schon davor über den Gavia-Pass. Ein echtes Rätsel, wie die Fahrer hier heile heruntergekommen sind.

Aus unerfindlichen Gründen taucht der pechschwarze Schlund des kurzen Tunnels urplötzlich vor uns auf. Das Licht am Ende ist trügerisch: Nur 400 Meter sind es, dafür holt niemand seine Scheinwerfer raus. Und doch verfehlen alle den Steinbrocken am Tunnelende nur knapp. Wie bemerkte ein Teilnehmer treffend, als wir uns unten wieder sammeln: „Im Roadbook steht, dass wir da rechts am Tunnel vorbeifahren sollen. Hab ich nicht gesehen.“ Ich auch nicht. Wie auch, bei der Geschwindigkeit. Dabei habe ich das Roadbook selbst verfasst.

Weiter geht’s mit einer kräftezehrenden Auffahrt zum Rifugio Mozzi al Montozzo. Auf den 1000 Höhenmetern zum Rifugio entstehen Lücken von bis zu einer halben Stunde zwischen unseren Teilnehmern. Zum ersten Mal auf dieser Transalp mache ich Bekanntschaft mit dem Hungerast: Weil ich es am Gaviapass wissen wollte und die letzten 400 Höhenmeter voll im roten Bereich gefahren bin, muss ich jetzt bezahlen. Langsam, gaaaanz langsam arbeite ich mich zum Rifugio hinauf. Dort angekommen peppelt mich Pasta in jeder denkbaren Form wieder auf. Die kleine Hütte liegt fantastisch und wird von einem netten Team geführt: Wir dürfen nicht eher fahren, bis wir uns alle auf der Email-Liste eingetragen haben. Dann geht es rauf zur Forcellina di Montozzo auf 2613m, an diesem unwirtlichen Ort passt alles zusammen. Am Firmament zeigt sich ein dramatisches Wolkenspiel, der Wind bläst uns ins Gesicht und zwischen den scheinbar wahllos angelegten Schützengräben liegt noch Stacheldraht aus dem ersten Weltkrieg.

Forcellina di Montozzo

Nichts wie runter ins Tal, zum Lago di Pian Palú, einem Stausee. Aber erst die Abfahrt – und die hat es wieder in sich. Ein traumhafter Singletrail führt uns erst hoch über den See, später stetig bergab am Seeufer bis zur Staumauer.

Piccolo? Blödsinn!

„Piccolo, piccolo!“ rufen ein paar ganz schlaue Italiener von gegenüber. Recht haben sie ja, aber muss man das quer über den See rufen? Nach der heißen Abfahrt reizte uns einfach das Nacktbad im Stausee. Und kalt war es wirklich.

Gebührender Abschied durch die Rentnertruppe aus dem Hotel

Weiter geht’s heute nur noch bis nach Pejo Therme. Der Ort hat für uns Mountainbiker etwa soviel Charme wie Bad Pyrmont, entsprechend ist das Durchschnittsalter. Die Gäste in unserem Hotel sind wahrscheinlich Stammgäste seit der Eröffnung. Zumindest muss die Inneneinrichtung aus der Zeit stammen, als sich die ersten ihren eigenen Fiat 500 leisten konnten. Wir nehmen es gelassen, trinken nach der Massenfütterung im Keller noch ein Dosenbier an der Bar und fallen früh in die völlig durchgelegenen Betten.

Passo Bregn de L´Ors

Der letzte Tag bricht an, und mit ihm eine der schwersten Etappen. 100 Kilometer liegen vor uns, davon ein Grossteil über Teer. Das macht die Etappe schwieriger als ihre Länge. Und dennoch zieht sich die Auffahrt nach Madonna di Campiglio gehörig. Eine kleine Gruppe fährt von Madonna über Straßen nach Riva. Alle anderen fahren über den  Lago di val d´Agola zum Passo Bregn de L´Ors. Von dort genießen wir bestes Brenta-Panorama – und doch hält uns jetzt nichts mehr. Man kann den Gardasee quasi schon riechen. Und obwohl jeder behauptet, er oder sie könne „noch tagelang so weiter fahren“ ist die Vorfreude doch groß. Wer schlau war, hat vor der Abfahrt in München eine Tasche mit wohlig duftender, frisch gewaschener Kleidung beim Shuttle-Service abgegeben. Das alleine ist Motivation genug, noch mal Gas zu geben. Alle anderen freuen sich wenigstens auf eine gute Pizza. Noch ein letzter Platten, und dann geht es vom Passo del Ballino im Sturzflug runter zum Gardasee. So muss eine Transalp enden.

Transalp 2003 – zugegeben, ziemlich old school. Aber der HAC4 konnte damals noch nicht mehr, und selbst dieses Diagramm brauchte einiges an Aufarbeitung.

Die Variation von schweren Tragestücken und atemberaubenden Singletrails ist ein Faktor, der ein solches Unternehmen unvergesslich werden lässt. Das Gefühl, sowohl Aufstieg als auch Abfahrt gemeistert zu haben, lassen die Teilnehmer mit jedem Tag wachsen. Obwohl die Leistungsfähigkeit faktisch abnimmt, fühlen sich die meisten unserer Mitfahrerinnen und Mitfahrer von Tag zu Tag stärker. Adrenalin wechselte sich ab mit atemberaubenden Ausblicken, der einsame Kampf gegen den Berg mit gemeinsamen Abenden auf der Hütte. Von wegen „Piccolo, piccolo!” Großartig war es.

 

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