lebenslänglich
Neues All-Time-High im Winter: 7% Steigerung gegenüber dem Sommer. Das geht in Ordnung.

Irrtum

Seit Oktober rolle ich wieder auf Zwift, und ich liebe es. Wie ich schon im Beitrag „Trainingsplan“ schrieb, muss ich im Winter weniger Zeit als im Sommer investieren, die ich dazu effizienter nutzen kann. Außerdem freue ich mich nach langer Zeit im Keller noch mehr als sonst auf die Ausfahrten in die echte Welt, wie zum Beispiel kurz nach Weihnachten. Die Ausdauer leidet möglicherweise ein wenig, aber auf solche Sachen wie den Styrkeprøven habe ich eh keine Lust mehr. Nicht nur wegen der schlechten Verpflegung. Also warte ich mal entspannt ab, was das Frühjahr bringt.

Der Überblick bei TrainingPeaks verrät zwar wenig Details, aber zeigt den grundsätzlichen Aufbau des Trainings: 3 Wochen Aufbau, eine Woch Erholung. Und alles nur auf dem Rad, so mag ich es.
Der Überblick bei TrainingPeaks verrät zwar wenig Details, zeigt aber die grundsätzliche Struktur des Trainings: 3 Wochen Aufbau, eine Woche Erholung. Und alles nur auf dem Rad. So mag ich es.

Zwift tut alles, damit die Zeit auf dem Rad in der dunklen Jahreszeit nicht langweilig wird. Und mein Trainingsplan tut alles, um mich auf Vordermann zu bringen. Das Investment von 39,99 US$ in den Plan 8 week FTP Threshold Booster ADVANCED Time Crunched riders 4 days approx 5-7 hrs per week hat sich vermutlich rentiert. Auch wenn ich den anfänglichen FTP-Test komplett versägt habe. Schuld war Spotify: Lässt man den Musikdienst auf dem iPhone oben, blockierte die App die Bluetooth-Kommunikation zwischen der Zwift Companion App auf dem iPhone und dem Apple TV. Dadurch blieb mein Avatar im FTP-Test auf Zwift immer wieder mal für wenige Sekunden stehen. Absolut ärgerlich und demotivierend. Ich hätte das vorher natürlich mal testen können, aber ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es da ein technisches Problem geben könnte. Immerhin: Mit der neuen Companion App läuft Spotify problemlos parallel.

Dass der FTP zu niedrig angesetzt war, merkte ich nach wenigen Einheiten. 90 Minuten Zwift, die mich wirklich fordern sollten, fühlten sich eher an wie eine entspannte Vatertagstour mit Bierchen im Flaschenhalter. Über zwei, drei Trainings schob ich in Zwift den FTP  daher wieder auf den alten Wert aus dem Sommer. Und siehe da, plötzlich wurde es anstrengend. Nie so, dass ich wie im Vorjahr bei TrainerRoad nach einer Stunde kaum noch vom Rad steigen konnte. Nach den Einheiten aus dem neuen Training war ich fertig, aber nicht überfordert. Es fühlte sich gut an.

Neues All-Time-High im Winter: 7% Steigerung gegenüber dem sommerlichen FTP. Das geht in Ordnung.
Neues All-Time-High im Winter: 7% Steigerung gegenüber dem sommerlichen FTP. Das geht in Ordnung.

Der Plan endete mit dem üblichen FTP-Test. 20 Minuten Vollgas auf Zwift, dieses mal in New York. Und siehe da, gegenüber dem Sommer konnte ich in den 20 Minten 7% mehr Watt treten. Das hört sich nicht viel an, aber letztlich waren es ja nur acht Wochen Training. Und draußen ist der FTP meist noch ein wenig höher als im Keller.

Für mich stellte sich jetzt die Frage, wie es weitergehen sollte. Und weil der Plan ja gehalten hat, was sein Autor Martin Burrows von KOM Coaching versprochen hatte, bat ich ihn um Hilfe. Ich schilderte in wenigen Sätzen mein Ziele, und seine Antwort brauchte nur wenige Stunden. Er empfahl mir eine Kombination von zweien seiner Pläne: „choose the 9 week HIIT training – but follow just 6 weeks of this, then move on to the 8 week Hill Climbing plan.“ Das würde mich für eine Gesamtsumme von 89,98 US$ immerhin bis Ende März bringen. Im Nebensatz bot er sich noch als Personal Coach an, aber ich hatte ja die unfassbaren Preise von TrainingPeaks für die Coaching-Pakete noch im Kopf. Das Geld könnte ich sicher besser investieren. Bei knapp 300 US$ pro Monat wäre das fast ein neues Rad. Aber nur fast.

Oder wäre das doch einen Versuch wert? Personal Coach. Aber das ist doch nur was für gestresste Manager und reichweitenstarke Instagram-Influencer. Doch nicht für mich!

So ein Coach könnte allerdings viel besser planen, wie ich genau trainieren sollte, um meinen Zielen näherzukommen. Das wäre sicher effizienter, als einen fertigen Plan abzufahren. Ich stehe auf Effizienz im Training.

Aber der sitzt in England. Ich habe ihn noch nie gesehen. Klar, er hat auf meine Emails schnell geantwortet. Aber 290 US$ pro Monat dafür?

Dann war da ja noch der 4DP Test von Sufferfest. Ich hatte auf YouTube ein Filmchen von GCN gesehen, „looking beyond FTP“. Der FTP ist ja ein wenig zum Schwanzmesser aktiver Radsportler verkommen. Je dicker, desto potenter. Ein bisschen wie früher beim Auto-Quartett: „Lamborghini Countach, 420 PS!“ Wenn man den hatte, war man auf jeden Fall vorne dabei.

Auch wenn der FTP immer noch der bekannteste Maßstab ist, ist er eben doch nicht das Maß aller Dinge. Kurz zusammengefasst testet Sufferfests 4DP die Schwellen für 5 Sekunden, 1 Minute, 5 Minuten und eben – wie im FTP-Test auch – 20 Minuten. Wie im Film von GCN anschaulich erläutert, können zwei Fahrer mit identischem FTP bei den anderen Zeiten komplett andere Werte haben. Und müssten, abhängig von ihren Zielen, auch komplett anders trainieren. Das klang für mich interessant, und das würde ich mit einem fertigen Plan auf TrainingPeaks nicht bekommen.

Dann erneuerte Martin sein Coaching-Angebot und reduzierte den Monatsbeitrag ein wenig. Und ich lernte: TrainingPeaks hat das gleiche Problem wie Airbnb und alle anderen Plattform, deren wesentlicher Dienst in der Vermittlung von Waren oder Dienstleistungen besteht. Oft lässt sich mit geringem Aufwand die Website des eigentlichen Anbieters finden. Kommen dann beide Parteien außerhalb der Plattform ins Geschäft, erhalten Airbnb und TrainingPeaks keine Courtage für die Vermittlung. Auf Airbnb geschieht das z.B. mit Fotos von einem Klingelschild der Wohnung, auf der auch die URL zur eigenen Website zu lesen ist. In TrainingPeaks kann man auf Informationen zu einem Coach gar nicht verzichten. Name, Ausbildung und Reputation sind mir wichtig, wenn ich einen Trainingsplan kaufe.

Heute halte ich es mit Konrad Adenauer: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Nichts hindert mich, weiser zu werden.“ Obwohl ich im Beitrag zum Trainingsplan so auf die hohen Gebühren geschimpft habe, habe ich mit KOM Coaching einen Vertrag abgeschlossen. Erst einmal nur für drei Monate auf Probe. Und auch nicht zu dem Preis, den TrainingPeaks dafür aufruft.

Blick auf einen Wochenplan. Die grünen Einheiten habe ich gemäß Vorgabe absolviert. Leider sieht nicht jede Woche so gut aus.
Blick auf einen Wochenplan. Die grünen Einheiten habe ich gemäß Vorgabe absolviert. Leider sieht nicht jede Woche so gut aus.

Nachdem Martin meine Ziele abgefragt hat, legte er mir in TrainingPeaks die Trainingseinheiten für die nächsten vier Wochen an. Jetzt hinterlasse ich nach jeder Einheit einen kurzen Kommentar, in dem ich beschreibe, wie das Training lief. Am letzten Wochenende war ich bei einer Session komplett überfordert, Martin hat daraufhin den Plan für die nächsten zwei Wochen adaptiert. Wenn ich mal einen Tag keine Zeit habe, obwohl ich trainieren sollte, bitte ich Martin vorab um eine Anpasung. Das alles klappt ganz hervorragend. Mein Schulenglisch ist nicht immer voll kompatibel, aber bisher konnten wir noch jedes Missverständnis ausräumen.

Wenn meine befristetet Testphase Ende März ausläuft, gibt es hier ein Update. Hoffentlich wäre ein neue Rad nicht doch besser gewesen.

Für alle in diesem Beitrag vorgestellten Produkte und Dienstleistungen habe ich mein eigenes Portmonee aufgemacht. Von keinem Hersteller oder Anbieter habe ich in irgendeiner Form Unterstützung erhalten, weder finanziell noch durch Leihgaben, Rabatte oder andere Zuwendungen.

 

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2 Kommentare zu “Irrtum

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